Marco
15 Februar, 2026
Teil 2: Der Verein
Nun folgt ein Kapitel meiner „Läuferkarriere“, das ich nur mit gemischten Gefühlen schreibe.
Relativ schnell wurde mir damals klar, dass ich allein nicht weiterkommen würde. Wenn ich mich verbessern wollte, musste ich mit anderen laufen. Also entschied ich mich für einen lokalen Laufsportverein. Das erste Training war hart – sehr hart. Ich stieß schnell an meine damaligen Grenzen, wusste aber zugleich: Genau hier liegt der Schlüssel, wenn ich Fortschritte machen will.
Ich blieb eine ganze Zeit im Verein und entwickelte mich auch weiter. Beruflich bedingt musste ich später etwas kürzertreten, und dann kam Corona. Die pandemiebedingten Laufpausen haben mich komplett aus dem Rhythmus gebracht. Der Sport verschwand mehr und mehr aus meinem Alltag, und die Kilos kamen zurück – spürbar und sichtbar. Der Wunsch, wieder einzusteigen, war da, aber gleichzeitig auch das unangenehme Gefühl, „so“ wieder zum Sport zu gehen.
Der Tod eines Vereinsmitglieds und das Gedenken des Vereins wurden für mich schließlich der Anlass, wieder Kontakt aufzunehmen. Ja, das klingt vielleicht merkwürdig – war für mich aber ein emotionaler Impuls. Leider verlief dieser Abend ganz anders, als ich gehofft hatte.
Die Begrüßung bestand aus Sätzen wie:
„Du hast aber ganz schön zugenommen.“
oder
„Hast wohl auch keine Lust mehr zu laufen?“
Das hat wehgetan. Natürlich war mir meine Situation selbst bewusst. Aber was dabei niemand sehen wollte: In den letzten Monaten war regelmäßiges Training zeitlich schlicht nicht machbar. Für manche gibt es dafür kein Verständnis – denn man könne ja „immer laufen“.
Als ich ankündigte, beim nächsten Training wieder einsteigen zu wollen, folgten weitere unfreundliche Kommentare. Eine Person aus dem Vorstand reagierte sogar mit offenem Gelächter. Wer mich kennt, weiß, dass ich auf so etwas extrem sensibel reagiere. An diesem Punkt war für mich klar: Das ist nicht mehr mein Umfeld.
Ich kündigte meine Mitgliedschaft – und hing den Laufsport erst einmal komplett an den Nagel.
Mir ist wichtig, das fair einzuordnen: Der Verein hat mich sportlich weitergebracht. Für meine Verhältnisse sogar sehr weit – bis hin zum Halbmarathon. Trotzdem war mir rückblickend immer bewusst, dass dort vor allem die leistungsstarken Athleten zählen. Für den „Otto-Normal-Läufer“, für Pausen, für Lebensphasen mit weniger Zeit oder Energie fehlte manchen leider das Verständnis.
Das ist schade. Denn die gemeinsamen Läufe im Wald habe ich immer sehr genossen.
Ich beendete schließlich alle sportlichen Aktivitäten. Weitere Kilos kamen hinzu – bis zu einem Höchststand von 116 kg.
Fortsetzung folgt.