Marco
21 März, 2026
Mit dem Rad von der Arbeit nach Hause – ok fast
Es war mal wieder so eine Idee von meinem Arbeitskollegen mit dem Rad von der Arbeit nach Hause zu fahren. Er hat das schon öfter gemacht und dabei noch einen deutlich weiteren Weg zurückzulegen als ich. Allerdings hat er auch ein paar Jahre Radsport Vorsprung. Wenn so eine Idee mal in meinem Kopf angekommen ist dann ist es für mich schwer diesen wieder zu vergessen. Wetter und Zeit waren auf meiner Seite also habe ich in der vergangenen Woche mal die Route und das nötige Equipment geplant. Also Routenplaner habe ich mir das viel gelobte Komoot ausgesucht, dazu später aber mehr. Leider hat es sich so ergeben, dass ich alleine den Weg nach Hause anbrechen musste, mein Arbeitskollege konnte aus privaten Gründen leider nicht teilnehmen. Die ausgesuchte Strecke war über eine Distanz von 58,9km angelegt und führte über weite Strecken an der Mosel entlang auf relativ gut ausgebauten Radwegen.
Gegenwind formt den Charakter
Am Donnerstag hab ich dann mein Fahrrad ins Auto gepackt und im Lager in Wecker abgestellt. Ursprünglicher Plan war es, am Tag der Tour, das Auto in Schweich am Bahnhof abzustellen und mit dem Zug zur Arbeit zu fahren. Etappenziel wäre dann wieder der Bahnhof in Schweich gewesen um, sollten die Kräfte nicht mitspielen, das Rad wieder ins Auto zu packen und nach Hause zu fahren. Leider spielt der neue Fahrplan der Bahn da nicht mit, ich wäre erst 20 min zu spät auf der Arbeit erschienen, das passte so natürlich nicht. Demnach war es nur möglich das Auto in Wecker stehen zu lassen und am Samstag oder Sonntag abholen zu fahren.
Dann war der Tag gekommen. Das Wetter war wie angekündigt, nahezu wolkenlos und schon relativ warm. Pünktlich Feierband gemacht und mit einem leichten Gepäck bin ich dann gestartet. Ich gebe zu, ich war schon etwas aufgeregt. Von Wecker ging es dann nach Manternach. Verwunderlicher Weise war kaum Verkehr auf der Strecke. Das hatte ich mir anders vorgestellt aber so war es natürlich besser. Nach Manternach ging es Richtung Mertert und Wasserbillig. Ich wollte so früh wie möglich auf den Moselradweg. Bis Wasserbillig lief eigentlich alles soweit gut, dann merkte ich immer wieder kleine Veränderungen am Sattel. Die Sattelstütze war wohl nicht richtig fest und rutschte Zentimeter für Zentimeter nach unten. Das beeinflusste natürlich die Fahrweise und machte die Beinarbeit nicht wirklich angenehmer. Zum Glück habe ich ja mein neues Reparaturset dabei, also ne Sitzbank gesucht, das Fahrrad angelehnt und die Sattelstütze positioniert. Klar, einen Drehmomentschlüssel hatte ich jetzt nicht dabei aber nach eigenem Gefühl die Schraube angezogen.
Mit einem Carbonrahmen traut man sich ja nicht mehr irgendwelche Schrauben „richtig“ anzuziehen. Youtube und Foren sind voll mit Berichten gebrochener Carbonrahmen aufgrund zu fest angezogener Schrauben. Ich hatte ja kein Interesse das Rad zu beschädigen bzw zu zerstören.
Eine Zeit lang hat es gehalten aber, sagen wir mal so, nicht zu lange. Zack zack, hab ich wieder ein paar Zentimeter tiefer gesessen. Das scheint ja nicht unbedingt schlimm zu sein aber der Winkel der Knie beim Treten der Pedale ist so suboptimal, dass es bereits nach kurzem Radeln in den Knien schmerzt. Schnell habe ich mir die nächste Bank gesucht und erneut mein Reparaturset ausgepackt. Was ich dann doch mal positiv hervorheben muss ist ein freundliches älteres Pärchen, dass sich kurz erkundigt hat ob alles in Ordnung wäre oder ich Hilfe benötigen würde. Ruck Zuck war das Problem erneut behoben… Zumindest für ein paar Minuten.
Immerhin gibt es auf dem Moselradweg genug Möglichkeiten das Rad anzulehnen und die Einstellprozedur konnte ich noch 2-3x wiederholen. Ich denke zwar, der Sitz ist jetzt richtig fest aber ich glaube die ursprünglich eingestellte Höhe ist noch nicht wieder erreicht. OK, da kann ich mich dann in den kommenden Tagen nochmal mit befassen.
Als Kind bin ich oft auf dem Moselradweg gefahren. Schon krass wie sich die Gegend in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Einige Erinnerungen waren kamen dann doch wieder hoch, die Staustufe soll hier mal als Beispiel dienen. Wie oft waren wir damals dahin und haben uns das Heben und Senken ( keine Ahnung wie man das im Fachjargon nennt ) beobachtet? Dann ging es über die Konrad-Adenauer-Brücke auf die andere Moselseite. Die neu gebaute Promenade lädt in der Tat zum Pausieren ein und dem Angebot bin ich dann auch nachgegangen. Zehn Minuten mal auf der Bank sitzen und bei einem schönen sonnigen Wetter auf die Mosel und die Moselschiffe schauen. Da hat nur noch ein Radler oder ein Cocktail gefehlt dann wäre es perfekt gewesen.
Leicht ausgeruht ging es dann weiter Richtung Trier Nord und von da über Ruwer nach Schweich. Das Etappenziel war also erreichbar. Ich gebe zu, nach Ruwer sind die Kräfte leicht geschwunden. Die Beine waren vom Lauf am Vortag auch schon vorbelastet. ( Jaja, das ist eine Ausrede aber irgendwie muss ich mir den Abbruch, der gleich folgt ja schön reden. )
Zwischen Ruwer und Schweich gab es dann auch zwei brenzlige Situationen. Einmal habe ich doch noch ein Arschloch getroffen, das meinte er müsste hupend an mir vorbeirasen obwohl ich bereits defensiv ganz rechts gefahren bin. Aber ich kann dem Schwein garantieren, dass ich deine Autonummer hab und Karma immer wieder zurückschlägt. Wir sehen uns! Garantiert!
Kurz darauf, ich war in voller Abfahrt, meinte eine Fahrerin, sie müsste beim Abbiegen vor mir noch schnell einbiegen um mittig, genau vor mir, stehen zu bleiben um einem anderen Fahrer unnötig, nicht vorhandene, Vorfahrt zu gewähren. Ich konnte noch ausweichen aber ja, ich denke man hat mein Motzen auch im Auto mit verschlossenen Fensterscheiben gehört. Es gibt schon dumme Leute die auf andere Menschen leider keinerlei Rücksicht nehmen.






Als ich dann in Schweich angekommen bin war der Gedanke an einen Abbruch bereits in meinem Kopf. Es dämmerte, es wurde auch etwas kühler und die Kräfte waren im nötigen Maß nicht mehr vorhanden. Ein kurzes Telefonat später und meine Frau hat mich dann am Schweicher Ortsende abgeholt.
Knapp 41km waren geschafft, 17 lagen noch vor mir. Die müssen dann beim nächsten Versuch bewältigt werden.
Ich denke, dass hat keinerlei negativen Einfluss auf das Amstel Gold Rennen, dass ja mit 65km und mehr Höhenmetern ein etwas anspruchsvolleres Streckenprofil darstellt. Das werden aber auch völlig andere Voraussetzungen. Das hier war ja erst die zweite Ausfahrt in diesem Jahr.
Ich bin zufrieden und es macht Hoffnung für mehr! Stay tuned, ich halte euch auf dem Laufenden.



